Termine im Seelsorgebereich Hennef-Ost

Taizé-Gottesdienst mit der Arche Noah (Hap)
16.12.2017 - Samstag, 16.12.2017 um 17:30 Uhr in St. Remigius

Helfen als Lebensaufgabe? Ordensschwestern in Bödingen

Als die letzten beiden Ordensschwestern, die im Sankt Augustinus Seniorenhaus in Hennef-Altenbödingen ihren Dienst in der Alten- und Krankenpflege geleistet hatten, im Sommer das Haus verließen, wurde uns in Bödingen klar, dass damit eine über hundertjährige Geschichte der Frauenorden in Bödingen beendet war und wir mehr über diese Geschichte erfahren wollten. Ich stütze mich dabei auf den von Wilhelm Schleicher verfassten Artikel im Buch ?Bödingen ist eine Wallfahrt wert? von Gabriel Busch, das1981 in Siegburg erschienen ist, eine Chronik im Archiv der Cellitinnen zur heiligen Maria (1210) und auf Berichte von Zeitzeugen.

Kloster und "Klösterchen" in Bödingen

Am 21. November 1905 zogen die ersten Ordensschwestern in das Walterscheidsche Haus, heute  ‚An der Klostermauer‘, wobei sich der Name Kloster aus dem 1803 aufgelösten Kloster der Augustiner Chorherren herleitet. Die Schwestern gehörten der Ordensgemeinschaft der Cellitinnen zur heiligen Maria in der Kupfergasse in Köln an.

 

Die Geschichte dieser Ordensgemeinschaft beginnt im späten 13. Jahrhundert. Damals lebten unverheiratete Frauen und Witwen in Gemeinschaften zusammen, deren Leben von Gebeten und Gottesdiensten geprägt waren. Im 15. Jahrhundert schlossen sich einige Gruppen, die sich in der Hauptsache sozial-karitativ betätigten, der Ordensregel des hl. Augustinus an, weshalb sie auch als Augustinerinnen bezeichnet werden. In der jetzigen Form besteht der Orden seit 1828. Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen sich bis zu 600 Ordensfrauen in etwa 50 Niederlassungen der alten und kranken Menschen an und betreuten auch Kindergärten und Waisenhäuser. Außerdem unterrichteten sie in Koch- und Nähschulen.

 

Das war auch ihre erste Aufgabe in dem Haus, das aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts stammte und ihnen von Margareta Walterscheid, geborene Beyert, geschenkt worden war. Die Eheleute Johann, seines Zeichens Landwirt, und Margareta Walterscheid waren in ihr von 1900 bis 1902 erbautes Wohnhaus gezogen, wo sie mit ihren Söhnen Johannes, der Geistlicher wurde, Joseph, dem späteren Amtsgerichtsrat in Siegburg, und Peter, der später den Hof übernahm, lebten. Monsignore Dr. phil. Johannes Walterscheid, der im hohen Alter von 94 Jahren verstarb und auf dem alten Friedhof in Bödingen begraben ist, verbrachte häufig seinen Urlaub in Bödingen, wo er gerne auf die Jagd ging und morgens eine heilige Messe in der Kirche oder im Kloster der Augustinerinnen zelebrierte. Er war uns allen als ‚Onkel Johannes‘ bekannt. Sein Bruder Joseph lebte in Siegburg und hat als Heimatforscher viele Artikel über Bödingen verfasst.

 

Am 21. November 1905 zogen die Augustinerinnen, d.h. die Cellitinnen aus der Kupfergasse, in das auch heute noch so genannte Walterscheidsche Haus, in dem die Schwestern zunächst eine Koch-, Handwerks- und Nähschule einrichteten, wie es von der Stifterin gewünscht worden war.

 

Am 8.September 1909 wurde der Grundstein für ein großes Haus im Stil des frühen 20. Jahrhunderts gelegt. Es erhielt hohe Zimmer für Gäste, die Klausur der Nonnen und eine geräumige Küche und wurde im Juni 1910 eingeweiht, ebenso wie die große Kapelle,

in der aber erst am 9. Mai 1912 das erste Messopfer gefeiert wurde. Später wurden auch noch zwei daneben stehende Fachwerkhäuser zuerst in Pacht und 1925 käuflich  erworben. So konnten die Schwestern in insgesamt 32 Zimmern Erholungsuchende, Alte und Kranke beherbergen und pflegen.

 

Auf dem großen Hof standen mehrere Fachwerkgebäude, die die Waschküche und das Bügelzimmer und andere für die Hauswirtschaft benötigte Räume enthielten.

 

Lange Jahre diente das Bügelzimmer gleich rechts neben dem Eingang von der Oberaueler Straße aus dem Kirchenchor Cäcilia als Probenraum. Das Kloster hatte den Raum 1925 zur Verfügung gestellt. Er wurde im 2. Weltkrieg durch den Beschuss schwer beschädigt, konnte aber mit tatkräftiger Mithilfe von Pater Burgmann bald wieder instand gesetzt und benutzt werde, bis 1956 das neue ‚Pfarrsälchen‘, das heutige Marienheim eingeweiht wurde.

Klosters Garten

In dem großen Garten, der das ganze Gelände zwischen dem Walterscheidschen Haus und dem heutigen Marienheim einnahm, gab es Obstbäume, viele Beerensträucher und große Gemüsebeete für die Selbstversorgung, natürlich auch Blumen für die Kapelle. Der Bödinger Gärtner Willy Müller grub die Beete von Hand um und säte  nach Anweisung der Schwester Oberin das Gemüse ein, das er dann auch bearbeitete. Im Garten gab es  eine Grotte, die mit Schlacken von der Koksheizung ausgestattet war und eine Fatima-Madonna beherbergte.

Das Wirken der Schwestern

Viele Kölner Familien kamen in das Kloster, um in Bödingen und Umgebung die Sommerfrische zu genießen. Auch alte Schwestern aus anderen Niederlassungen waren oft zur Erholung dort. Die Schwestern versorgten sie liebevoll und übernahmen die Betreuung von Alten und Kranken auch aus dem Dorf und der näheren Umgebung. Wenn die Schulkinder aus den vielen kleinen Ortschaften der Pfarrei Bödingen am Vormittag und am Nachmittag Unterricht hatten, gingen die Kinder aus den weiter entfernten Dörfern in der Mittagspause von 12 bis 14 Uhr zu den Schwestern und bekamen dort ein warmes Essen. Von den 30 bis 40 Kindern bekamen die meisten das Essen umsonst, „die bemittelten zahlten 10 Pfg.“, wie die erste Oberin Tabitha (1905–1927) in der Chronik berichtet. Übermittagsbetreuung zu Beginn des 20. Jahrhunderts!

 

Während des 2. Weltkrieges lebten einige evakuierte Familien aus Köln im Kloster neben den Menschen, die ihren Ruhestand im Kloster verbrachten. Sie waren im Dorf integriert, vor allem die alten „Frolleins“, wie sie genannt wurden, waren allen bekannt: Fräulein Faßbender und Fräulein Hürth, die Schwester des Kölner Generalpräses des Katholischen Gesellenvereins Theodor Hürth (1877–1944). Die alte Dame hatte oft irgendeinen Spruch parat, z. B. pflegte sie immer wieder zu sagen: „Herrjöttchen, ich bin bereit, aber es ist noch nicht so weit.“ Und natürlich Fräulein Helene Jacobi, die von 1944 bis 1951 an der Volksschule in Bödingen unterrichtet hatte, ebenso wie Frau Bongard, die auch mit ihrer Familie im Krieg nach Bödingen gekommen war, und von 1946 bis 1952 in Bödingen tätig war. Auch Fräulein Frings, die viele Jahre lang den Haushalt des Pfarrers betreut hatte, lebte später im Altenheim.

 

Sowohl nach dem 1. als auch nach dem 2. Weltkrieg waren Evakuierte und verletzte Soldaten zu versorgen, hier war vor allem Schwester Edwina unermüdlich tätig. Ihre Nachfolgerin war Schwester Hildegard, die aus Söven stammte und im Dorf als ‚Dahs Marie‘ bekannt war. Sie fuhr als Gemeindeschwester mit ihrem Volkswagen durch die Gegend. In einem kleinen Büro links neben der Eingangshalle waltete in den fünfziger Jahren Schwester Venantia, die wegen ihres Umgangs mit Geldmitteln im Dorf als ‚Finanzia‘ bekannt war.

Kinder im Kloster

Für die Bödinger Kinder gehörte das Kloster zum täglichen Leben dazu. In der Küche gab es ein Glas Milch oder ein Plätzchen. Im Winter wurde in der Eingangshalle des Klosters ein Weihnachtsspiel aufgeführt und die ‚Engelchen‘ durften die Schwestern bei der Bescherung der Bewohner begleiten. Die Jungen mußten sieben Mal in der Woche als Messdiener fungieren und bekamen nach der Andacht am Sonntagnachmittag ein großes Stück Kuchen.

 

Vieles änderte sich, als die Schwestern 1969 in das Seniorenheim in Altenbödingen umzogen, doch davon soll im nächsten Pfarrbrief die Rede sein.

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